Die Geschichte der Kapelle

Geschmückter Altarraum der Kapelle

Die Geschichte der Kapelle ist eng verbunden mit der früheren Existenz des in der Nachbarschaft befindlichen Klosters Beselich und mit Georg Niederstraßen. Nach etlichen Übergriffen und der Verhinderung von Neuaufnahmen im Kloster Beselich durch das Haus Runkel kommt es zum Aussterben des dortigen Konvents der Prämonstratenser. Nach jahrelangem Streit zwischen den Häusern Nassau und Wied-Runkel, der grassierenden Pest sowie fortschreitendem Verfall der Klostergebäude wird am 5. April 1615 vom Grafen Hermann von Runkel und anderseits der Grafen Johann zu Nassau-Siegen und Georg zu Nassau-Beilstein im Namen sämtlicher nassauischen Herrscher vertraglich vereinbart, dass die Liegenschaften als Hospital unter Direktion der Grafen von Nassau dienen sollen. Damit ist das inzwischen schwierig gewordene Klosterleben endgültig beendet. Der erforderliche Hospitalbau entsteht als Landkrankenhaus im Jahr 1618. Der Dreißigjährige Krieg mit Durchmärschen, Einquartierungen, Plünderungen, Überfällen durch zügellose Horden lassen auf dem Hofgut Beselich gravierende Spuren der Verwüstung entstehen: Verwahrlosung im Feld, leere Viehställe, Scheunen und Speicher. Damit verbunden ist auch der Verfall der Klosterkirche und des Konventgebäudes. Nach dieser äußerst schwierigen Zeit geht es nur mühsam aufwärts. Die Jesuiten von Hadamar, die nach der Konversion von Johann Ludwig von Nassau-Hadamar zum katholischen Glauben bevorzugte Rechte erhalten, gelangen am 3. Oktober 1652 durch eine Stiftungsurkunde in den Besitz aller Klostergüter bis nach der Zeit des Entstehens der Wallfahrtskapelle. Zuvor gibt es langwierige Streitigkeiten zwischen dem Prämonstratenser-Abt in Arnstein und dem Haus Nassau-Hadamar.

 

Neues christliches Leben auf dem Beselicher Kopf

Im Gebiet der alten Klosterstätte Beselich feierte das christliche Leben seine Auferstehung, als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die heutige Kapelle und mit einer angrenzenden Wohnung errichtet wird.

Die Kapelle Beselich verdankt ihren Ursprung der Initiative eines Franziskaner-Eremiten, des Ordensbruders Leonhard (bürgerlicher Name: Georg Niederstraßen). Er wird 1709 geboren und lutherisch getauft, tritt mit 18 Jahren als Soldat in ein Kaiserliches Regiment ein und konvertiert am 3. Mai 1735 zum katholischen Glauben. Nach dem Erwerb aller Dienstgrade der unteren Soldatenlaufbahn scheidet er nach 24 Jahren aus dem militärischen Dienst aus und tritt in die Dienste der Niederländisch-Ostindischen Handelsgesellschaft ein, wodurch ihn das Schicksal ins ferne Indien verschlägt. Nach Ablauf seiner vertraglich festgelegten Dienstzeit von sieben Jahren kehrt er nach Europa zurück. Er unternimmt vergebliche Versuche der Aufnahme in das Dominikanerkloster Marburg, wandert zu den Franziskanern nach Köln, von dort aus zur Winterszeit durch Deutschland und Tirol in die Ewige Stadt. In Rom findet er im Januar 1758 nach Ablegung der erforderlichen Gelübde Aufnahme als Eremit vom hl. Franziskus. Nun versucht er im Besitz von Habit und Eremitenbrief eine geeignete Niederlassung zu finden. Nach einer zweijährigen Wanderung ausgehend von Rom über Venedig nach Wien, durch Österreich, Bayern, die Schweiz sowie rheinabwärts nach Luxemburg und Köln, dann ins Siegerland, kann er bei dem Mitbruder Joseph Schmidt im Secker Schlösschen unterkommen. Dort erlangt er Kenntnis von der ehemaligen Beselicher Klosterstätte. Hier auf der einsamen Bergeshöhe findet er, was er als Grund für den Eintritt in das Einsiedlerleben angibt: „Es ist mir in Indien im Schlafe vorgekommen, als wenn ich wirklich wachte, als wenn ich Mauersteine aufgeschichtet vor mir hätte, und beneben ist mir in die Ohren erschallet wie ein schönes Glockenspiel, und als wenn ich eine Kirche sehe, wo die Litanei von der Muttergottes gar schön gesungen wurde.“ .

 

Erbauung und die Folgezeit

Durch die Willenskraft eines Franziskaners und mit großem Gottvertrauen überwindet Niederstraßen viele Schwierigkeiten. Er baut zunächst 1763 ein Einsiedlerhäuschen. Im Folgejahr erfolgt die Grundsteinlegung der Kapelle durch Pfarrer Johannes Schuld aus Obertiefenbach. Das Baugelände stellen die Eigentümer, der Fürst von Salm und der Graf von Westerloo, zur Verfügung. Die Finanzierung des Kapellenbaus erfolgt durch Schenkung des Baumaterials von der Gemeinde Obertiefenbach und durch großzügige Geldspenden. Mit tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung aus Obertiefenbach, wobei die Frauen und Mädchen das zum Bauen benötigte Wasser in Eimern die weite Strecke den Berg hinauf tragen, wird die Kapelle innerhalb von drei Jahren erstellt. Am 8. September 1767 weiht der Obertiefenbacher Pfarrer Johannes Löhr nach dem Wunsch von Niederstraßen das Gebäude auf den Namen Maria Hilf und zu Ehren der heiligen Vierzehn Nothelfer. Wie bereits bei der Grundsteinlegung kommt es hierbei zum Massenandrang der Bevölkerung. Das Richtfest wird mit Musik als ein richtiges Volksfest begangen, bei dem die gesamte Schuljugend aus Obertiefenbach mit einem Mittagessen bewirtet wurde.

Im Jahr 1768 wird die Kapelle von Rom mit einem vollkommenen Ablass auf das Fest Mariä Geburt begnadet; diese Feier wird allerdings bereits 1786 auf das Fest Mariä Himmelfahrt verlegt. 1769 erhält Beselich einen Stationsablass durch den Provinzial der Eremitenprovinz. Im Koblenzer Eremitenkapitel ist dem Franziskaner Georg Niederstraßen der Ordensname Leonhard gegeben worden und er wird im Jahr 1770 von Beauftragten dieses Kapitels feierlich in Beselich als Eremit eingesetzt. Zwei Jahrzehnte wirkt Georg Niederstraßen in stiller Zurückgezogenheit als Hüter seines Heiligtums, sowie als Aufwärter und Glöckner bei kirchlichen Feierlichkeiten. Er stirbt am 23. Dezember 1787 in Beselich. Seine letzte Ruhestätte findet er auf dem damaligen Friedhof an der Obertiefenbacher Pfarrkirche; sein Grabstein befindet sich inzwischen an der linken Außenwand der Kapelle.

Kapelle und Eremitage in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts:

Die Säkularisation und ihre Folgen

Der Eingang der Kapelle in den 1950er Jahren mit Vorfahren der heutigen Küsterin

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist für die katholische Kirche die schwere Zeit der Säkularisation (d. h. die Überführung geistlichen Besitzes wie Bistümer und Abteien in weltlichen) hereingebrochen. Viele Ordensleute werden aus ihren Klöstern vertrieben und suchen Unterkunft bei Verwandten und Freunden. Allein aus unserer Gemeinde Obertiefenbach stammen 14 Franziskanerpatres, die ihre Klöster verlassen müssen. Zu ihnen gehört auch Pater Arsenius Daub und Pater Bartholomäus Krämer, die in der Eremitage zu Beselich Unterkunft suchen. Nach Verhandlungen mit der Regierung in Runkel – Obertiefenbach wird im Jahr 1775 von Wied-Runkel von Nassau-Hadamar zurückgekauft – willigt das fürstliche Konsistorium (landesherrliche Behörde für die Verwaltung kirchlicher Angelegenheiten), das die völlige Jurisdiktion (Gerichtsbarkeit) auch über die Angelegenheiten der katholischen Geistlichen für sich in Anspruch nimmt, schließlich ein. Damit kein Nachteil für die Pfarrei Obertiefenbach entstehen soll, werden folgende Vereinbarungen getroffen:

  1. Die Kirche zu Beselich soll in allem der Pfarrei Obertiefenbach unterworfen sein und bleiben.
  2. Ihre Messen müssen die Patres an Sonn- und Feiertagen im Sommer morgens um 6.00 Uhr, im Winter um 8.00 Uhr, lesen, damit die Eingepfarrten von der Predigt und dem christlichen Unterricht nicht abgehalten werden.
  3. Wenn nach Beselich eine Stiftung kommen sollte, muss dieselbige vom Pastor von Obertiefenbach angenommen und besorgt werden.
  4. Die Herren Patres dürfen keine Pfarrfunktionen ausüben, ausgenommen Beichthören und das Nachtmahlspenden.
  5. Die Kirchentüre zu Beselich muss an Sonn- und Feiertagen von morgens nach gehaltener Messe bis nach dem Nachmittagsgottesdienst zu Obertiefenbach geschlossen sein.
  6. Der Pastor kann nach Belieben oder auf Begehren den Eingepfarrten zu Beselich Amt, Predigt oder Christenlehre halten.
  7. Der Gottesdienst kann auf Mariä Empfängnis, Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt zu Beselich morgens und nachmittags gehalten werden.
  8. Sollten die Opfer merklich zunehmen, so werden die Patres von sich aus zur Pfarrkirche etwas beitragen.

 

Der protestantische Oberpfarrer Abel aus Schupbach wird von Runkel beauftragt, die beiden Patres einzusetzen. Diese Tatsache ist für die Betonung des Staatskirchentums in der damaligen Zeit ein bezeichnender Vorgang. Ein Kuriosum im Vorfeld der Einsetzung der beiden Patres spiegelt die Denkungsart der damaligen Kleinstaaten wieder. Nachdem das nassauische Amt Hadamar Kenntnis von der beabsichtigten Einsetzung erhält, befiehlt es dem Beselicher Hofpächter Schäfer, Kapelle und Eremitage abzuschließen und die Herausgabe der Schlüssel zu verweigern. Der Hofpächter übergibt die Schlüssel dem Heimberger (Bürgermeister) von Niedertiefenbach und somit sind sie in nassauische Hände gelangt. Das fürstliche Konsistorium in Runkel befiehlt die gewaltsame Öffnung der Türen und den Austausch der Schlösser. Zum besseren Verständnis sei darauf hingewiesen, dass der Beselicher Pächter in staatsbürgerlicher Beziehung zur Gemeinde Niedertiefenbach (also Nassau-Oranien), aber kirchlicherseits zu Obertiefenbach (Wied-Runkel) gehört.

 

Am 17. November 1802 werden die beiden Patres, Pater Daub kann krankheitshalber nicht anwesend sein, von Oberpfarrer Abel aus Schupbach im Beisein von Pfarrer Löhr aus Obertiefenbach, des Eremiten Erasmus, zweier Ordensmänner und einiger Einwohner in ihr Amt eingeführt. Ein Auszug aus seiner Einführungsrede soll uns zeigen, dass die Regierung die Geistlichen wie weisungsgebundene Beamte behandelt:

Lesen sie hier die Messen, hören sie Beichte, teilen sie das Abendmahl aus und verehren sie Gott nach ihren Ordensregeln. Ihre Klugheit und Frömmigkeit wird dafür sein, dass sie nie Veranlassung zu Misshelligkeiten geben werden, sondern alles dazu beitragen, was zur allgemeinen Erbauung und Religiosität förderlich sein kann. Sie tragen das Gelübde unumschränkten Gehorsams. Üben sie dieses Gelübde auch unserem gnädigen Landesherrn gegenüber. Dadurch können sie sich seiner Gnade würdig machen.“

 

Durch den krankheitsbedingten Wegzug von Pater Daub bemühen sich die Patres Albertin Schott und Wilhelm Wagner (1804), die ebenfalls aus ihren Klöstern vertrieben sind, um den freigewordenen Platz. Schott glaubt in seinem Gesuch ein Vorrecht für sich in Anspruch nehmen zu können, da Beselich sein Geburtsort sei und sein Vater, der beim Bau der Kapelle Pächter des Klosterhofes Beselich ist, sich große Verdienste beim Bau von Eremitage und Kapelle erworben habe. Die Regierung in Runkel würdigt diese Gründe und so muss Wagner zurückstehen. Nach zwei Jahren wird Schott, der sich um seinen Orden hoch verdient gemacht hat, nach Düsseldorf berufen, wo er die Gesamtleitung der Franziskanerakademie übernimmt. Pater Wagner wird Pfarrer von Obertiefenbach (1810-1829) und zieht in das dortige Pfarrhaus ein.

 

Im zweiten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts ziehen dunkle Wolken über die kleine Kapelle samt Eremitage auf. Das inzwischen zuständig gewordene Herzogtum Nassau beabsichtigt, die Einsiedelei zu Beselich aufzuheben, da beim Verfall der Kapelle, deren Unterhaltung jährliche Ausgaben erfordere, kein Fonds zum Aufbau vorhanden sei. Die kleinen Beträge, die dort eingingen, reichten bei weitem nicht aus, die Kapelle zu unterhalten. Dem Schreiben der Landesregierung in Wiesbaden vom Februar 1818, das an die kirchliche Behörde in Limburg gerichtet ist, ist u. a. zu entnehmen, dass die gehaltenen Nebenandachten nach Obertiefenbach zu verlegen, die geweihten Gegenstände aus der Kapelle zu entfernen sind und das Nötige zu ihrer Entweihung vorgenommen werden soll.

 

In einer Randbemerkung dieses Schreibens wird sogar auf den völligen Abriss der Kapelle hingewiesen. Die entschiedene Stellungnahme des damaligen Ortspfarrers Wagner und die Unterstützung des Limburger Vikariats können das Schlimmste von Beselich abwenden. In diesem Zusammenhang ist in erster Linie Generalvikar Corden zu nennen, der die Landesregierung darauf aufmerksam macht, dass ein solches Vorhaben größtes Aufsehen beim gläubigen Volk hervorrufen würde, das sich in Beselich Kraft und Stärke im Gebet holt. Aufgrund dieser Intervention bleibt der Bevölkerung die Kapelle erhalten, und die stillen Andachten werden weiter geduldet. Das Vikariat in Limburg muss dem hiesigen Pfarrer allerdings zur Pflicht machen, die Kapelle nie vormittags, sondern nur nachmittags nach beendigtem Obertiefenbacher Gottesdienst zur stillen Andacht zu öffnen.

 

Vereinsamt bleiben Kapelle und Eremitage, bis in den dreißiger Jahren der frühere Franziskanerpater Plazidus Giersch für längere Zeit dort wohnt. Pater Giersch ist in der näheren Umgebung wegen seiner Ursprünglichkeit und Gradheit eine weithin bekannte und geachtete Persönlichkeit. Beschwerden des Alters veranlassen ihn, das Einsiedlerleben aufzugeben und seine letzten Tage in seinem Geburtsort Obertiefenbach zu verbringen.

 

Die Eremitage ist in den nächsten Jahren meist unbewohnt, bis sie vom März 1856 an bis heute in Benutzung von Pächtern bleibt, denen die Verpflichtung übertragen wird, die Küsterdienste in der Wallfahrtskirche zu versehen.

Bauliche Veränderungen von 1850 bis zur Gegenwart

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden keine wesentlichen baulichen Veränderungen an der Kapelle und Eremitage vorgenommen. Am 4. März 1856 bezieht Georg Schwarz aus Obertiefenbach das Haus neben der Kapelle, das längere Zeit leer stand. Aus seinen Aufzeichnungen ist unter anderem Folgendes zu entnehmen:

Es mussten zunächst neue Türen und Fenster eingesetzt werden. Der verwilderte Garten wurde wieder nutzbar gemacht. Das frühere Strohdach wurde durch ein Schieferdach ersetzt. Vom 18. Dezember 1857 bis zum 28. Februar 1858 grub Georg Schwarz mit Hilfe von August und Josef Schwarz im Garten einen Brunnen. Georg Schuy aus Obertiefenbach mauerte ihn aus. All diese Maßnahmen wurden entweder aus der Kirchenkasse von Obertiefenbach oder aus Spenden finanziert.

Am 27. Juni 1860 kaufen Pfarrer Vogt und Georg Schwarz eine neue Sankt-Josef-Glocke bei Frau Cahensly in Limburg. Hermann Fiebig aus Obertiefenbach fertigt die Achse dazu und Schmied Johannes Schuy beschlägt sie. Am 8. Juli, dem Sonntag nach Mariä Heimsuchung, tauft Pfarrer Vogt die neue Sankt-Josef-Glocke. Für die hiesige Bevölkerung ist dieser Tag ein großes Ereignis.

1867 erhält die Kapelle aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums einen neuen Anstrich.

In den Jahren 1874 bis 1877 werden die Kapellchen der Sieben Schmerzen Marias durch Arbeiter vom »Rothen Hahn« bei Koblenz erbaut.

Als der Plan für den Neubau der Pfarrkirche in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts am Widerstand der Obertiefenbacher Bürger scheitert, wird der Baufonds in Höhe von 27.000 RM dazu verwendet, die Kapelle in Beselich umzubauen (1880-1882):

Die Kapelle besteht bis zu diesem Zeitpunkt aus einem quadratischen Innenraum mit romanischen Fensterrundungen. An der Stirnseite befinden sich der Hauptaltar und zwei Nebenaltäre. Der steinerne Hauptaltar ist fest an die Mauer angelehnt. Diese Wand wird aufgebrochen und der jetzige Chorraum mit spätgotischem Bogen und Spitzfenstern angebaut. Die drei Altäre werden durch den jetzigen Marmoraltar ersetzt.

Maler Wittkopf erhält den Auftrag, die Kapelle auszumalen. Der Boden wird gefliest, eine neue Empore mit einer Treppe gebaut, die Bestuhlung erneuert und eine Kommunionbank eingesetzt.

Ein Turm mit Außenkanzel wird in Auftrag gegeben. Eine Verschönerung und Aufwertung erhält der Eingang durch den Bau der beiden Beträume. Der Platz vor der Kapelle wird durch eine Verkleinerung des Gartens und den Ankauf eines Ackers von Johann Schäfer erweitert. Der Brunnen wird mit einer Pumpe versehen. Um den Vorplatz wird eine Hecke gepflanzt und der Weg, der vor der Kapelle verläuft, nach außen verlegt. Die Kosten dieser Maßnahmen belaufen sich auf 16.000 RM. Die Neueinsegnung der Kapelle erfolgt unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am Sonntag vor Pfingsten 1882.

Die Kasteller Pioniere bauen während des Ersten Weltkrieges, am 16. und 17. August 1917, die beiden Glocken aus.

Glockenweihe durch Bezirksdekan Alois Staudt im Mai 1986

1922 stiften Josef Becker und Wilhelm Abel aus Chicago zwei neue Glocken. Am 17. September 1922 weiht der Geistliche Rat Brühl in der hiesigen Pfarrkirche die beiden Glocken und am 21. September 1922 werden sie im Turm der Kapelle aufgehängt.

Im Jahre 1925 wird der Turm, mittlerweile vom Holzwurm zerfressen, abgerissen und neu aufgebaut. Hinzu kommen eine Neueindeckung des Kapellendaches und eine Erneuerung des Innenputzes.

Am 3. Juli 1927 werden die drei neu aufgebauten Kapellchen am Betweg eingeweiht. Sie standen vorher an einem Teilstück des Betweges, das für eine Vergrößerung des Steinbruches benötigt wird.

Im Juli 1928 wird am Eingang zur Kapelle (rechts) ein alter Grabstein angebracht, der aus dem Kloster Beselich stammt. Der Stein ist eine Schenkung der Familie Schäfer-Preuß. Dachdecker Knebel deckt das Dach der Kapelle im Laufe des Sommers neu ein.

Den Zweiten Weltkrieg überstehen Kapelle und Eremitage fast unbeschadet.

Vor Abschluss des Marianischen Jahres 1950 erhält die Kapelle einen neuen Außenputz. Die Arbeiten führt Bauunternehmer Scherer durch.

Zum 200. Jahrestag der Kapellenweihe im Jahre 1967 wird diese innen und außen restauriert. Die Firma Rauch aus Limburg führt diese Arbeiten aus. Zusammen mit Arbeiten zur Sicherung des Türmchens gegen den Holzwurm werden 11.667 DM benötigt. Diese Summe wird restlos aus dem Opferstock und größeren Spenden aufgebracht. Von den Nachbargemeinden tut sich hierbei besonders Dehrn hervor.

Im Jahre 1970 wird ein weiterer größerer Umbau vorgenommen. Da die bisherige Wohnung für die Küsterfamilie Pauly/Neumann, welche die Kapelle und das gesamte Anwesen mit ihren Vorfahren seit 130 Jahren in vorbildlicher Weise betreut hat, zu klein geworden ist.

Vor dem Zweiten Weltkrieg besteht das Geläut der Beselicher Wallfahrtskapelle aus drei Glocken. Sie werden während des Krieges eingeschmolzen.

Außenrenovierung im September 2004

Schon kurz nach der Währungsreform lässt die katholische Kirchengemeinde zwei neue Glocken in den Tonlagen „h“ und „d“ gießen. Sie werden bis 1981 von Hand geläutet. Danach wird das Geläut elektrifiziert, nachdem notwendige statische Veränderungen im Turm vorgenommen worden sind. Die Anschaffung der dritten Glocke ist einem großzügigen Spender zu verdanken, der jedoch ungenannt bleiben möchte. Diese Glocke wird am 4. Mai 1986 von Bezirksdekan Alois Staudt in Beselich geweiht. Sie trägt die Inschrift: „Misericordia eius progenie in progenies timentibus eum“ (Er gibt sein Erbarmen von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten).

Im Jahre 1984 wird der „Freundeskreis zur Erhaltung der Kapelle Beselich“ gegründet. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kapelle und den Betweg mit seinen sieben Kapellchen instandzuhalten.

Zunächst nimmt man die Sanierung der Kapelle in Angriff. Im Jahre 1985 werden die Fundamente freigelegt und ausgebessert sowie Drainagerohre verlegt. Der Vorplatz wird teilweise gepflastert, zwei Außenlampen werden installiert, die Dächer der Kapelle und der Nebengebäude ausgebessert und alle Außenwandflächen neu gestrichen. Die beiden Vordächer der Nischen erhalten eine neue Schieferung, der Boden im Eingang wird neu verlegt, die Ölberggruppe im Innern verputzt und die Figuren werden restauriert.

Der Betweg und die sieben Stationen sind ein weiterer Schwerpunkt. Hier gilt es zunächst, die Schäden des verheerenden Sturmes vom November 1984 zu beseitigen. Die Instandhaltung der Kapellchen übernehmen einzelne Gruppen. Ein Kapellchen muss, abgesehen von der Rückwand, abgerissen und neu aufgebaut werden. Die Gelder für das Material zum Wiederaufbau stellt der Spielmanns- und Fanfarenzug Obertiefenbach zur Verfügung, die er aus Spenden bei Weihnachtskonzerten in Obertiefenbach, Niedertiefenbach, Dehrn und Arfurt erlöst hat. Sämtliche Arbeitsstunden werden in Eigenleistung von Mitgliedern des Freundeskreises durchgeführt.

Gottesdienst zur Einweihung der neuen Pfeifenorgel am 11. Mai 2014

Im Jahr 2002 erstrahlt die Kapelle nach dreimonatiger Bauzeit in neuem Glanz. Neben der Renovierung und Vergoldung des Altares wird der Chorraum wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Ein zum Stil passender Kronleuchter verleiht diesem Juwel zusätzlichen Glanz. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 98.500 €. Davon übernimmt das Bischöfliche Ordinariat 71.000 €, den Rest bringt die Pfarrgemeinde St. Ägidius Obertiefenbach auf.

Von März bis September 2003 wird das Küsterhaus renoviert und erweitert. Während dieser Zeit wohnt das Küsterehepaar mit seinen drei Kindern bei Verwandten in Obertiefenbach.

2004 erhält die Kapelle einen neuen Außenanstrich. Schließlich wird 2013 das Dach neu geschiefert und 2014 eine neue Orgel angeschafft.

Beselich und seine Bedeutung als Wallfahrtsort

Gottesdienst vor der Kapelle beim Bischofsbesuch 2009

Schon beim Bau der Kapelle zeigt die umliegende Bevölkerung großes Interesse durch tätige Mithilfe und Unterstützung. Viele Menschen, besonders von Ober- und Niedertiefenbach, sehen in dem Bau der Kapelle eine Fortsetzung der Beselicher Klostertradition. Sie wird Wallfahrts- und Zufluchtsort für gute und schlechte Tage.

 

Die Wallfahrten und Prozessionen zur Kapelle werden besonders am Feste Mariä Geburt mit Entfaltung aller kirchlicher Pracht gehalten. Nach Wiedereinführung des katholischen Bekenntnisses in Obertiefenbach (1650) haben unsere Vorfahren bis 1769 alljährlich mit Oberweyer an der Fronleichnamsprozession in Hadamar teilgenommen. In diesem Jahr aber macht der reformierte Hadamarer Amtmann Schwierigkeiten. Daraufhin bleiben die Obertiefenbacher Hadamar fern und führen die Prozession fortan zur Beselicher Kapelle durch.

Pfarrer Dr. César Mawanzi und Domdekan Dr. Günther Geis bei der Orgelweihe 2014

Am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt ist die Kapelle von Beselich das Ziel der Bittprozession. Im Jahre 1795 hält dort der französische Abt Graf Nikolay den Gottesdienst. Er ist ein Opfer des Umsturzes in Frankreich, hat Kloster und Vaterland verlassen müssen und lebt von Almosen in der Verbannung. Auch in Deutschland zeichnet sich diese kirchenfeindliche Haltung ab.

 

Im Jahre 1815 werden die Wallfahrten von der Regierung in Wiesbaden verboten. Lediglich die Prozessionen am Markustag, an den Bitttagen und die Fronleichnamsprozession innerhalb der Gemarkung werden geduldet. Am 14. September 1845, drei Jahrzehnte nach diesem Verbot, wird zum ersten Mal wieder eine Prozession von Limburg nach Beselich unternommen. Ungeahndet bleibt dies nicht, die Organisatoren erhalten empfindliche Geldstrafen.

 

Erst die Revolution von 1848 sprengt die Fesseln des Staatskirchentums. Die Wallfahrten nach Beselich nehmen wieder zu und werden zu einem eindrucksvollen Zeugnis katholischen Glaubens. Vor allem ist es der Sonntag nach Mariä Heimsuchung, der sich zu einem großen Wallfahrtstag entwickelt. Den Regierungsstellen werden die Wallfahrten unbequem. Sie können jedoch aufgrund des Vereinsgesetzes von 1850 nichts dagegen ausrichten.

 

Ein Beleg für die Bedeutung der Wallfahrtskapelle für die umliegende Bevölkerung ist der Brauch, dass viele der sogenannten Landgänger im Frühjahr ihre Heimat nicht verlassen, ohne der Gottesmutter einen Besuch abzustatten. Auch viele Einheimische, die auswärts wohnen, führt der Weg beim Besuch ihrer Heimat zuerst nach Beselich.

 

Während der beiden furchtbaren Weltkriege ist die Kapelle Ziel vieler Menschen des Beselicher Umlandes, die der Gottesmutter ihre Bitten für das Wohl ihrer Angehörigen, die an den kriegerischen Auseinandersetzungen teilnehmen, vortragen. Die zahlreichen Votivtafeln beweisen, dass viele Gläubige dabei Trost und Hilfe erfahren haben.

Die Konsekratoren des Gottesdienstes zum Bischofsbesuch 2009

In unserer Zeit sind vor allem die jährlich wiederkehrenden Prozessionen von Obertiefenbach (Mariä Heimsuchung) und von Niedertiefenbach (Christi Himmelfahrt) zu erwähnen. Diese Prozessionen sind in dem Bewusstsein der teilnehmenden Menschen beider Gemeinden tief verwurzelt.

 

Die Prozession der Gläubigen aus Oberweyer (im Mai jeden Jahres) hat ihren Ursprung in einem Gelübde. Weil der Ort während des Zweiten Weltkrieges bei einem Luftangriff – ein Bombenteppich ging zwischen Ober- und Niederweyer nieder – verschont blieb, gelobt man eine jährliche Prozession nach Beselich. Ein gleiches Gelöbnis, das ebenfalls seinen Ursprung in den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges hat, ist aus Steinbach bekannt. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens auf der Verbindungsstraße zwischen Steinbach und Obertiefenbach wird in den 1950er Jahre der Prozessionsweg verlegt und führt seitdem zur Wallfahrtsstätte „Sieben Schmerzen“ am Fuße des Heidenhäuschens.

 

Besonders verbunden mit der Wallfahrtskapelle Beselich fühlen sich die Bewohner von Dehrn. Das ganze Jahr über kann man kleine Gruppen und Einzelpilger aus der Lahngemeinde an der Wallfahrtsstätte beobachten. Auch ist es in Dehrn Tradition, den Rosenkranz für Verstorbene in Beselich zu beten. Im etwas entfernter liegenden Arfurt bestehen ebenfalls besondere Verbindungen zur Wallfahrtskapelle. Im Mai jeden Jahres treffen sich Gläubige aus dieser Gemeinde in Beselich, um einen festlichen Gottesdienst zu feiern, der vom heimatlichen Kirchenchor und einer Bläsergruppe mitgestaltet wird.

 

Die Obertiefenbacher Frauengemeinschaft hat sich in den letzten Jahren in besonderer Weise um die Wallfahrtskapelle verdient gemacht. Hier sei vor allem an die Lichterprozession im Mai (erstmals am 19. Mai 1976) sowie an die Krankenwallfahrt in der Karwoche erinnert. Zu Beginn der Wallfahrtssaison (Ende April) trifft sich jedes Jahr eine „Putzkolonne“ – Frauen und Männer –, die Kapelle und Außenanlage wieder auf Vordermann bringen.

 

Nach Aussagen der Küsterfamilie ist die Marienverehrung in den letzten Jahren wieder stärker in das Bewusstsein der gläubigen Bevölkerung gerückt. Vor allem die Zahl der Einzelpilger sowie kleiner Pilgergruppen (Familien usw.), die die landschaftlich reizvoll gelegene Wallfahrtsstätte aufsuchen, um in der heute doch so hektischen Zeit einige Minuten in der Kapelle still zu verweilen und der Gottesmutter – so wie einst die Vorfahren dies taten – ihre Sorgen und Nöten anzuvertrauen, nimmt stetig zu. Dieser Trend wird auch bestätigt durch eine Sternwallfahrt, die erstmals im Mai 1981 erfolgt und im Zweijahresrhythmus wiederholt wird.

Eine große Schar von Pilgern im Kapellengarten

Eine Aufstellung der Küsterin Klaudia Kolodynski der Veranstaltungen (seit 1997) in der Wallfahrtskapelle im Laufe eines Kirchenjahres ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die Marienverehrung der einheimische Bevölkerung:

4. Advent (seit 1988)

Konzert der Musikschüler von Darek Kolodynski

Dezember (seit 2013)

Adventsmarkt: durchgeführt vom Schuljahrgang 1962/63; der Erlös wird für die Kapelle verwendet

Heiligabend

Frühschicht der Beselicher Jugend

Freitag vor Palmsonntag

Krankenwallfahrt der Frauen aus Obertiefenbach

Karfreitag

  • Prozession mit anschließender Andacht der Pfarrei Dietkirchen
  • Frühschicht der Beselicher Jugend

Monat Mai

  • 01. Mai: Gottesdienst und Eröffnung des Wallfahrtsjahres
  • Wallfahrten

           – Fraternität der Körperbehinderten

           – Pfarrei Runkel-Arfurt

           – Pfarrei Weilburg (bis 2013)

           – Pfarrei Oberweyer

           – Pfarrei Balduinstein

           – Frauen von Dehrn

  • Lichterprozession der Frauen von Obertiefenbach
  • Bezirkswallfahrt der Kath. Frauengemeinschaften (alle 2 Jahre)

Christi Himmelfahrt

Hl. Messe der Pfarreien St. Ägidius (OT) und St. Marien (NT)

Sonntag nach Mariä Heimsuchung

Prozession mit Musikbegleitung von Obertiefenbach zur Kapelle; anschließend Hl. Messe

Mariä Himmelfahrt

Hochamt

Mai – Oktober

  • freitags   18:00 Uhr: Hl. Messe
  • sonntags 17:00 Uhr: Andacht
Hl. Messe nach der Prozession an Mariä Heimsuchung 2017

Gruppen, die regelmäßig die Wallfahrtskapelle aufsuchen:

St. Marien (Limburg), St. Hildegard (Limburg), St. Michael (Frankfurt/Main), Maria Verkündigung (Hintermeilingen), St. Martin (Frickhofen), St. Franziskus (Kelkheim), St. Martin (Niederlahnstein) St. Nikolaus (Elbtal), Kath. Kaufmannsverein (Limburg), Frauen (Niederbrechen, Salz und Wiesbaden-Erbenheim), Jahrgänge (Ahlbach, Dehrn, Villmar und Brechen) Senioren (Elz, Werschau, Braunfels, Erbach und Salz)

 

In einem Kirchenjahr werden in etwa 10 bis 12 Hochzeiten, 5 bis 6 Silber- und 4 bis 5 Goldhochzeiten gefeiert.

 

Bereits vor mehr als 100 Jahren weiß Bischof Peter Joseph Blum die Bedeutung der hier beschriebenen Wallfahrtsstätte richtig einzuschätzen. Kurz vor seinem Weggang in die Verbannung in der Zeit des Kulturkampfes sucht er noch einmal die Kapelle Beselich auf und kniet vor dem Gnadenbild nieder, um zu beten. Beim Verlassen der Kapelle lauten seine Abschiedsworte: „Erhaltet mir Beselich!“

 

Mögen uns diese Worte zugleich Vermächtnis und Auftrag sein …